An diesem Wochenende findet in Stuttgart die führende Messe für institutionelle und private Anleger statt, auf der sich die Branche großzügig selbst feiert (Link). Gehasst; Verdammt; Vergöttert. Keine andere Branche schafft es, so selbstherrlich die Interessenten in ihren Bann zu ziehen.
Trends? Fehlanzeige! An den pompösen Messenständen sind keine wirklichen Trends zu sehen. Noch immer dreht sich viel um Trading, Trading-Software, Charttechnik und ein penetrantes Drängen der Kunden zu höheren Orderzahlen. Die Aussteller sind immer die gleichen: Großbanken, Emittenten von Derivaten und einige Lobbyverbände. Wirkliche Probleme oder gar politische Herausforderungen findet man kaum. "Man muss mit der Krise leben", so der Konsens. Die Investmentbranche sieht sich nicht als politische Klasse, sondern als Dienstleister der Anleger, die mit diesem System Geld verdienen wollen.
Ich hatte ein sehr interessantes Gespräch am Stand der Bundeswertpapierverwaltung. Ich fragte freundlich nach der Tilgung der Kredite. Ich machte das Personal darauf aufmerksam, dass ich ihnen nur dann Geld leihen möchte, wenn ich weiß wie es getilgt wird. Man versicherte mir, dass die komplette Bundesschuld wohl niemals getilgt werden kann, dass man aber die Fälligkeiten durch neue Kredite bedienen könne. Für mich ist dies die Bestätigung, dass es sich hierbei um ein Schneeballsystem handelt. Ich prangere dies an! Ich möchte keine Anlegermesse besuchen, auf der solche unseriöse Anbieter Werbung für sich machen dürfen.
Trotzdem kann ich den Besuch der Anlegermesse "Invest" jedem wärmstens empfehlen. Es wird gratis Wein ausgeschenkt, bei der Handelsbank L&S gab´s sogar Altbier in Düsseldorfer Atmosphäre. Bei Vontobel gab es kleine Snäcks und bei der Sparkasse & Deka einen leckeren Kaffee mit Kecks. Wer auf dieser Messe war, deckt seinen Kugelschreiberbedarf für mindestens 50 Jahre. Außerdem bin ich jetzt stolze Besitzerin einer Tasse von Goldman Sachs und einer hochwertigen Windjacke von Scoach.
Wirklich interessant waren die Stände des BAfin, BVI oder auch Godmode und InvestorVerlag. Dort lernt man etwas zum Thema, ohne dass jemand pausenlos versucht ein Produkt zu verkaufen. Auch das Handelsblatt, FTD und andere Medien waren mit hochkarätigen Journalisten vor Ort. Hier gab es auch sehr viele interessante Gespräche. Hätte ich bei jedem Gewinnspiel, das es gab, mitgemacht und würde sie alle gewinnen, dann könnte ich einen iPhone und iPad Großhandel eröffnen! Auf die Nerven ging mir eigentlich nur das pausenlose Gelaber über Charttechnik. Diese funktioniert, wenn überhaupt, nur deshalb, weil so viele daran glauben. Um wirklich interessante Themen zu entdecken musste man schon ziemlich tief in die Messestände eintauchen.
Es gibt zwar nichts bahnbrechend neues, das ich mitgenommen habe, freue mich aber trotzdem auf das nächste Jahr. Es geht um sehen und gesehen werden, Austausch und Kontaktpflege.
Ich freue mich wie immer über zahlreiche Kommentare hier im Blog,
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liebe Grüße, eure Jenny
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