Die Überschrift ist ein Wortspiel. Ich geb´s zu, es ist nicht besonders lustig oder intellektuell. Ich will damit sagen, dass die Hoffnung mit den Piraten das große Los gezogen hat. Lose haben die besondere Eigenschaft, dass es auch mal eine Niete sein kann. Klar kann man die Piratenpartei stundenlang bashen und kritisieren. Man kann aber auch eintauchen und Hoffnungs-Lose herausfischen. Ich bin immer wieder über die Leistung und Expertise einzelner Mitglieder erstaunt.

Der Höhenflug lässt etwas nach. Neuste Umfragen sehen die Piraten auf Bundesebene bei ca. 8% (via Reuters). Kritiker sagen, dass es einfach keinen Bedarf an einer weiteren Systempartei gibt. Klassische Politiker nerven, das ist kein Geheimnis. Bei der Fußball Europameisterschaft hat man es schön gesehen. Während früher Interviews mit Fußballern noch lustig und erfrischend waren, hört man heutzutage von z.B. Philipp Lahm nur noch klassische, vorformulierte und langweilige Politikersätze. Diese Sprache ist belanglos, langweilig und nervig. Manchmal hat man das Gefühl, dass Politiker nur noch Roboter, oder Marionetten sind, die ihre eigene langweilige Sprache haben. Eines, was die Piraten immer wieder sympathisch gemacht hat ist, dass eben gerade auf dieses Neusprech verzichtet wurde. Man sah "langhaarige Typen in Kapuzenpullis", die einfach so sprechen, wie ihnen der Mund gewachsen ist. Diese Sprache verstehen die Menschen. Wenn ich Schauspieler sehen will, dann kann ich in´s Theater gehen. Politik sollte menschlich sein.

Ich denke, dass die Piraten mit Leuten wie einem Johannes Ponader und vielen anderen das große Los in der Hand halten.
Wer Systempolitiker will, kann ja die Altparteien wählen. Piraten sind neu, natürlich, vielfältig und ihre Akteure sind individuell und eben keine vorgefertigte Massenware einer gleichgeschalteten Medienwelt. Ich habe nichts gegen Anzüge und Krawatten. Von mir aus könnten Politiker aber auch in einer Badehose bei Anne Will sitzen. Man sollte Politiker an dem messen was sie 1. versprechen und 2. was sie machen. Die Piraten haben meiner Meinung nach nur dann eine Chance langfristig zu bestehen, wenn sie es schaffen ihre Alleinstellungsmerkmale aufrecht zu erhalten. Niemand braucht eine fünfte Systempartei; hierfür gibt es keine Nachfrage. Extrem hohe Nachfrage ist hingegen für eine sozialliberale Alternative gegeben. Eine Partei, die mit den Menschen die Sprache der Menschen spricht. Wenn es so eine Partei nicht gäbe, dann müsste man sie gründen.

Es wird oft gesagt, dass die Piraten viel zu wenig Position beziehen. Dies stimmt, ist aber etwas einseitig. In LQFB und in den Tiefen einiger Landesverbände findet man oft Schmuckstücke. Ich sag´s mal so: Piraten sind wie Penisse. Unter Druck arbeiten sie am besten. Aber bitte lasst diesen Druck nicht heimlich und alleine irgendwo im Hinterzimmer ab, sondern lasst uns alle daran teilhaben. Sorry, mir viel gerade kein anderer Vergleich ein *lach*. Schön zu sehen war dieses "Arbeiten unter Druck", am Tag, an dem CDU, FDP, SPD und Grüne den ESM und viele andere Gesetze in einer Mammutsitzung durchgeboxt haben. Die Piraten haben reagiert und gezeigt, dass sie etwas von Demokratie in Verbindung mit Geld- und Fiskalpolitik verstehen. Man sagt zwar: "Wer zuletzt lacht, hat´s nicht eher begriffen", aber ich glaube nicht, dass die Piraten den ESM nicht eher begriffen haben. Wer genau hinschaut erkennt, dass der ESM bereits Wochen vorher in LQFB als undemokratisch erkannt wurde. Auch hat der Landesverband NRW (u.a.) einige Zeit vorher richtigerweise seine Ablehnung zum potenziell verfassungswidrigen ESM erklärt.

»Eine Krise auf europäischer Ebene darf nicht dazu führen, die eigene Verfassung zu ignorieren. Wer es dennoch tut, gefährdet einen Grundpfeiler unserer Demokratie.«, Bernd Schlömer. »Die PIRATEN sind pro-europäisch ausgerichtet. Das Umgehen demokratischer Strukturen, wie es beim ESM-Vertrag gerade versucht wird, lehnen wir jedoch ab.«, Sebastian Nerz. »Gesetzgebungsprozesse auf EU-Ebene im Hau-Ruck-Verfahren durchzuziehen darf keine Ausrede für die auch nur teilweise Entmachtung eines Parlaments sein. Zeitdruck ist kein Freibrief für einen Abbau demokratischer Strukturen.«, Sebastian Nerz. »Dass die Regierung es unterlässt, das Parlament im großen Umfang über Verhandlungen in Kenntnis zu setzen, die durchaus an den Fundamenten des Staates rütteln und unabsehbare Folgen für den Steuerzahler nach sich ziehen können, ist doch sehr bezeichnend. Dies zeugt von einem mangelndem Demokratieverständnis von Seiten der Bundesregierung«, Bernd Schlömer. (Quelle der Zitate: Diverse Pressemitteilungen der Piratenpartei).

Abseits dessen, was die Stars der Piraten sagen, gibt es noch weitere interessante und lobenswerte Veröffentlichungen, die man in den Massenmedien so nicht findet. Beispielsweise schreibt der Pirat Himar Benecke in einer Kolumne bei den PiratenNRW u.a. folgendes: "In allen Preisen sind die Kreditzinsen von Unternehmern und Immobilienbesitzern kalkulatorisch enthalten und werden letztlich vom Verbraucher bezahlt. Sie fließen denjenigen zu, die "ihr Geld für sich arbeiten lassen". Je höher die Schulden- und Vermögensberge werden, desto größer ist der Umverteilungseffekt durch den Zins.".... er schreibt weiter: "Die Differenz zwischen Geldmengenwachstum und BIP-Wachstum wird oft auch als "wahre Inflation" bezeichnet und liegt heutzutage weit über den öffentlich berichteten Raten." Wenn man sich mit den Piraten, vor allem mit einzelnen Mitgliedern beschäftigt, findet man auch solche Aussagen, die "sogar" ich so unterschreiben würde. Es ist in der Piratenpartei ein unglaubliches Maß an Expertise vorhanden. Jetzt muss sie es nur noch nutzen und den Wählerinnen und Wählern erklären; aber nicht mit Neusprech zulallen, sondern so erklären, dass es alle verstehen. Der Erfolg der Piraten kam nicht dadurch, dass man sich an die anderen Parteien und deren System angepasst hat; bitte vergesst das nicht.

Bonne Chance!


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