Privatanlager sind gar nicht so dumm, wie oft gesagt wird. Sie handeln subjektiv rational, berechnend und suchen stets einen gewissen Schutz. In den letzten Jahrzehnten hat sich hieraus allerdings ein Denkfehler gebildet.
Eine Geldanlage in Aktien gleicht einem Münzwurf. So könnte man sie beschreiben, wenn man die Anlage täglich beobachtet. Historisch gesehen gibt es anhand jahrhundertlanger Datenreihen beim amerikanischen DowJones ca. 53% positive Handelstage. Entsprechend 47% der Tage waren negativ. Wer also täglich seine Aktienanlage beobachtet, der schaut einem Münzwurfspiel zu. Schaut man sich allerdings nicht die Tages- sondern die Jahresrenditen an, dann erkennt man, dass ca. 73% aller Jahre positiv waren. Dies sind mehr als zwei Drittel! Hierbei muss man bedenken, dass es nach unten meist heftiger geht als nach oben. Dennoch war es, auch in der jüngeren Vergangenheit so, dass man ab einem Anlagehorizont von ca. 10-20 Jahren fast nie mit einem breit gestreuten Aktiendepot Verluste hatte. Die Wahrnehmung des Risikos ist ein Denkfehler. Wer 10 oder 20 Jahre lang Geld investiert, sollte die Anlage nicht täglich beobachten. Diese Kontrollillusion schafft zwar ein Sicherheitsgefühl, schützt aber nicht vor Schwankungen.
Der Denkfehler: Wir berechnen alles in Euro. Der größte Denkfehler, den Anleger, egal ob Private oder Profis machen, ist dass sie ihre Assets stets in Euro bewerten. Neulich schrieb ich auf Twitter, dass eine Aktie gestiegen sei. Daraufhin erklärte mir jemand, dass eine Aktie nicht steigen kann. Nur Kurse können steigen; die Aktie bleibt, wo sie ist. Wenn ich z.B. 50 VW-Aktien besitze, dann gehören diese Sachwerte mir. Was die nun in Euro wert sind, interessiert mich fast nicht. Die Kurse können steigen und fallen, aber ich habe immer diese 50 VW-Aktien im Depot. Man sagt auch: "Die Aktienkurse oszillieren um die Unternehmenswerte". Die Unternehmenswerte verändern sich träge und langfristig. Was die Aktienkurse machen, düfte langfristige Investoren nicht wirklich interessieren. Der ständige Vergleich der Sachwerte mit dem Papiereuro strapaziert nur die Nerven und bringt absolut nichts. Das selbe gilt für Fonds; auch dort hat man Anteile, bzw. "Stücke". Man hat kein Geld in einem Depot sondern Sachwerte. Wer 5 Oldtimer in seiner Garage hat sagt ja auch, dass er 5 Oldtimer hat und nicht, dass er 4 Millionen Euro in der Garage stehen hat.
Bei Gold und vielen anderen Anlageklassen ist es das Selbe. Gold kann weder steigen noch fallen. Eine Unze wird immer eine Unze bleiben. Wer heute 5 Unzen besitzt, der besitzt diese, so Gott will, auch noch in 50 Jahren. Was diese Unze Gold in Euro wert ist, dürfte ziemlich egal sein. Interessant wird dies immer erst bei der Liquidierung. Viele vergessen auch, dass es oft nicht die Sachwerte sind, die steigen, sondern es ist oft auch die Währung, die fällt. Eine Unze Gold, eine Aktie, ein Fondsanteil oder auch ein Haus, ist immer gleich. Verändern tut sich nur ihr Preis in Euro. Kein Hausbesitzer würde täglich seine Immobilie schätzen lassen, wenn er sie nicht verkaufen will. Viele sagen sich: "Ist doch egal was die Hütte wert ist, hauptsache sie gehört mir". Es reicht vollkommen aus, den ungefähren Gegenwert in Euro zu kennen. Ein tägliches Studieren der Aktienkurse oder Edelmetallpreise bringt langfristige Investoren nicht wirklich weiter. Wer Aktien im Depot hat und einen Kontoauszug seiner Bank bekommt, dass der Wert in Euro gefallen ist, der sieht nur eine Momentaufnahme des oben zitierten Münzwurfs. Bei Sachwerten ist es wichtig, sich auf die Sache zu konzentrieren und nicht auf den Gegenwert in Papiergeld. Eine Aktie bleibt immer eine Aktie; eine Unze bleibt immer eine Unze. Die Bewertung in Euro dient nur der Verunsicherung.
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