Ein verhaltenspsychologischer Blick auf den Rettungswahn. Im Jahr 1999, zitierte der Spiegel Jean-Claude Juncker, den heutigen Chef der Eurogruppe, mit diesen Worten: "Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, ob was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter, Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt." Nun ist der Karren definitiv im Dreck und ein "Zurück" ist politisch sowie ökonomisch kaum machbar.

Dieses Zitat ist jetzt schon wieder 13 Jahre alt. Man kann nur hoffen, das die potenziellen Hochverräter bald dem Richter vorgeführt werden (hier geht´s zur Strafanzeige). Die Taktik ist durchschaut. Es handelt sich wie immer um die berühmte Salamitaktik. Die Wählerinnen und Wähler werden nur scheibchenweise mit den Fakten konfrontiert. Erinnert sich noch jemand an das erste Griechenland-Rettungspaket? Es wurde stundlang bei Anne Will, Plasberg und Co. darüber diskutiert. Heute stellt das Volumen aus diesem Griechenland-Rettungspaket gerade noch 2,1% der kompletten Haftungs- und Rettungssumme dar. Man hat uns 15 Mrd€ angeboten um uns später dann 712 Mrd€ zu verkaufen. (Siehe Bild; gefunden beim Aktionsbündnis Direkte Demokratie)

Es gab schon in 2010 und 2011 warnende Stimmen. Es gab Leute, die für Krisenländer eine geordnete Insolvenz gefordert haben. Es gab auch Leute, die bereits damals warnten, dass diese Summen so nicht ausreichen werden. Dieses System hat natürlich Methode. Man nutzt den psychologischen "Sunk Cost Effekt". Dieser besagt, dass man an einer Sache immer dann festhält, wenn man bereits Kosten oder Energie versenkt hat. Die Salami wird Scheibe für Scheibe verfüttert. Ab einem gewissen Zeitpunkt ist die Wurst schon soweit angeschnitten, dass es auf den Rest vermeintlich auch nicht mehr ankommt. Wie gefährlich die Euro-Rettung inzwischen werden könnte, schreibt auch Welt-Online.

Es fällt emotional handelnden Menschen nicht einfach, an gescheiterten Dingen los zu lassen. Lieber schießt man noch weiteres Geld hinein, als die bereits "versenkten Kosten" zu verlieren. Hierzu gibt es zahlreiche Studien und ich möchte an dieser Stelle gerne an Joachim Goldberg von Cognitrend verweisen; einer der Gründungsväter der Behavioural Finance. Es kann also kein Zurück mehr geben. Die einzige Richtung, die man ohne Zeitmaschine ohnenhin gehen kann, ist der Weg nach vorne. Viele wissen es nicht: Es ist technisch noch nicht möglich in die Vergangenheit zu reisen. Deshalb kann es nur eine Richtung geben: Nach vorne! Die deutsche Haftsumme hat sich von 2010 bis heute von 15 Milliarden Euro auf über 712 Milliarden Euro erhöht. Kein Bürger wurde gefragt. Bei den Target2 Verbindlichkeiten und bei den Anleihekäufen durch die Zentralbank wurde nicht mal mehr ein Parlament gefragt. Es wird Zeit, dass wir über neue Wege nachdenken. So kann es nicht weiter gehen. Diese Politik hat versagt; gegen sie liegen Strafanzeigen und Verfassungsklagen vor! Fehler korrigiert man nicht in dem man sie wiederholt.


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