Sucht man im Netz nach "Finanzielle Repression", dann findet man viele Medienberichte. Der Begriff scheint sich als Lösungsweg für die Krise zu präsentieren. Manche sprechen von Enteignung aber niemand weiß wie finanzielle Repression wirklich funktioniert. Wenn es die Menschen wüssten, dann käme es zu einer Revolution - noch vor morgen früh!

Mit "Financial Repression" bezeichnet man ein System, das (Geld)Vermögen (vor allem Liquidität) und damit Wohlstand und Lebensqualität abschöpft und es dem Staatsschuldendienst sowie dem Zuwachs von materiellen Vermögen zufügt. Umgangssprachlich kann man auch sagen, dass Gehälter und Transferleistungen durch steigende Preise immer geringer werden, während Kapitaleinkommen sowie staatliche Steuereinnahmen stetig steigen. Wenn Geld an Wert verliert, dann passieren zwei Dinge: Zum einen gewinnen Sachwerte (Boden+Kapital) an Wert und zum anderen werden Schulden weniger wert. Der größte Schuldner ist der Staat und genau für diesen Player macht die EU/EZB dieses Spiel. Weil neue Steuern kaum machbar sind und weil man Sozialleistungen nicht weiter kürzen kann, hat man nun diese neue Geldquelle erschlossen. Bei "Financial Repression" fließt kein Geld; niemand bekommt eine Rechnung. Nicht das Geld wechselt den Besitzer, sondern es ist das Geld selbst, das sich verändert. Spätestens jetzt springen geschätzt 40% der Leser ab. Herzlichen Glückwunsch: Eure Ignoranz ist Voraussetzung für "Financial Repression", denn mit Bürgern, die das aktiv nicht wollen, wäre das Ganze nicht möglich.

Üblicherweise preisen die Kapitalmärkte die erwartete Inflationsrate in die Renditen ein. Dieser Mechanismus wurde außer Kraft gesetzt. Dies ist keine Ursache sondern eine Folge der Krise. Neue Regelungen haben dafür gesorgt, dass Banken ihre Kredite mit mehr Eigenkapital unterlegen müssen. Dies gilt aber nicht für Staatsanleihen (mit guter Bonität). Diese müssen mit NULL KOMMA NULL Eigenkapital unterlegt werden. Auch deshalb kaufen vor allem Banken Staatsanleihen, einfach weil sie müssen um ihr knappes Eigenkapital zu schonen. So weit so doof. Banken haben also diese niedrigverzinsten Anleihen im Depot, was eigentlich keinen Sinn macht, aber das Spiel geht ja noch weiter. Die EZB kauft diese Anleihen nun gegen frisches, günstiges Zentralbankgeld auf. Hierdurch werden die Zinsen aller Laufzeiten, trotz Inflationserwartung, gedrückt. Nebenbei wird die Geldmenge aufgebläht, was zu einer lokalen Inflation bei Vermögenswerten wie Immobilien, Aktien oder Rohstoffen führt.

So funktioniert Financial Repression. Überrascht? Die unsozialen Auswirkungen sind immens: Kaufkraft der Arbeits- und Sozialeinkommen sinkt, Preise steigen und kapitalbildende Altersvorsorge sowie Sparguthaben wird nach Abzug der Inflation weniger wert. Im gleichen Ausmaß verlieren Staatsschulden an Bedeutung, weil sie durch diese Umverteilung "getilgt" werden. Die dabei entstehende Blase zeigt sich in großen Sachvermögen wie Aktien, Immobilien, Beteiligungen und Rohstoffen. Die FED in den USA macht das gleiche, was zu einem schwachen Dollar und damit zu einer enormen zusätzlichen (importierten) Inflation bei uns führt. Zirka 40% eines in Deutschland hergestellten Produktes muss importiert werden (sog. Vorleistungsimporte). Produkte wie Kaffee, Öl oder viele Früchte sind meist zu 100% importiert. Wer kein großes Vermögen hat, das von "Financial Repression" profitiert, der leidet unter dieser Politik herbe Verluste. Diese Politik wird in Deutschland durch die traumatisierte Ignoranz von 81,9 Millionen Menschen legitimiert. Ok, zugegeben, Geldpolitik steht in keinem Wahlprogramm, aber wenn wir dazu gezwungen werden, dann muss man offen ausprechen, dass wir in einer Gott verdammten Finanzdiktatur leben und dass das Parteienkartell in Berlin nur dessen Marionetten sind.

Links und Verweise:

- Die finanzielle Repression der EZB ist problematisch
- Mit der finanziellen Repression hat eine neue Ära begonnen
- Umverteilung von den Sparern auf die Schuldner
- Welt.de: Giftige Repression vernichtet heimlich unser Geld
- Thorsten Polleit: Bürger werden "zwangsentspart"
- Deka: Negative Realzinsen bei vielen Anlagen
- Dekabank-Chefökonom warnt vor Dauerniedrigzins


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