Das ist ja noch mal gut gegangen in Zypern. Am Donnerstag um 12 Uhr Ortszeit öffneten die zypriotischen Banken. Bereits Stunden vorab sah man viele Menschen vor den Banken. Die meisten von Ihnen waren Journalisten und Kamerateams, auf der Suche nach spektakulären Bildern. Man hat den Bankrun geplant, aber der große Ansturm blieb aus. Der Trick dabei ist einfach aber dreist.

Über Nacht hat die EZB Zypern mit zirka 5 Milliarden Euro Bargeld versorgt (1). Da ist es natürlich praktisch, eine Zentralbank zu haben, die zu jeder Zeit einfach so Bargeld "drucken" kann. Die EZB hat für solche Fälle eigens angelegte Vorräte. Es lagern Unmengen an Geldscheinen sicher in den EZB-Tresoren, die man bei drohenden Bankruns aktivieren kann. Diese Vorräte sind in keiner Bankbilanz, auch nicht in der Bilanz der EZB. Es handelt sich einfach um bedrucktes Papier, welches bei Bedarf an Banken verteilt und erst dann verbucht wird. Die Menschen in Zypern wussten also, dass die Banken genügend Liquidität haben. Entsprechend pressewirksame Bilder von den Bargeld-Containern haben die Massen beruhigt. Wäre es dennoch zum Bankrun gekommen, dann hätte die EZB einfach diese Scheinchen ausbezahlt. Man hätte den Bankrun so lange gefüttert, bis alle zufrieden sind. Jeder bekommt sein Geld und das Vertrauen steigt. Am nächsten Tag bezahlen die Kontoinhaber das Geld wieder ein und die Bank kann die Nothilfen (2) an die EZB zurückgeben. So war der Notfallplan, aber es kam anders. Die Menschen sahen die 5 Milliarden Euro Bargeld und waren zufrieden.

Der ausgebliebene Bankrun in Zypern beruhigt ganz Europa. Die Menschen vertrauen wieder, denn sie haben gesehen, dass die EU zwar hart sein kann, aber sich am Ende doch wieder alles zum scheinbar Guten wendet. Den meisten ist nicht klar, dass es sich hierbei um eine ganz große Luftnummer handelt. Die EZB hat die Menschen einfach mit selbst bedrucktem Papier versorgt. Durch das gestiegene Vertrauen geben die Kontoinhaber ihre Scheine wieder an die Bank ab und tauschen damit Geld in eine Forderung (3). Geldscheine sind keine Lagerscheine sondern Schuldscheine. Das System funktioniert nur, wenn alle Teilnehmer daran glauben. So wie eine Religion. Die Banken sind seit Donnerstag wieder offen und es gab Bargeld. Den meisten ist nicht klar, dass das Eurosystem hier ein Spielchen gespielt hat. Wäre der Bankrun gekommen, dann hätte die EZB die Massen so lange mit Papier durchgefüttert, bis alle zufrieden sind. Danach hätte man sich medial in den Himmel gelobt und das Vertrauen wäre wieder da gewesen. Diesen Notfallplan braucht man nun nicht, denn es hat gereicht, mit den 5 Milliarden Euro Bargeld per Konvoi medienwirksam durch Zypern zu fahren. Papiergeld hat nichts mit greifbaren Werten zu tun. Geld besteht aus glauben, vertrauen und hoffen. Das Schuldgeldsystem beruht auf Kredit. Das Wort Kredit stammt vom lateinischen "credere", was so viel wie "glauben" heißt.

Wenn mich meine Erinnerung nicht komplett täuscht, dann hat die EU vor einiger Zeit das selbe auch in Irland gemacht. Es kam zu einem Bankrun und man hat die Kontoinhaber so lange mit Papier gefüttert, bis das Vertrauen wieder da war. Ich habe das mal gegooglt, finde aber leider nichts. Es ist kein Geheimnis, dass satte Menschen nicht auf die Straße gehen. Daher ist es, wie in jeder Diktatur (4), sehr unwahrscheinlich, dass man mit Widerstand rechnen muss. In 70 Jahren werden uns unsere Enkel wieder fragen: "Habt ihr damals wirklich von nichts gewusst?"

(1) SpiegelOnline u.a.
(2) sog. "ELA" - damit kann die EZB ohne politische Legitimation "helfen"
(3) Unterschied zwischen Geld, Einlagen und Vermögen
(4) Mehr über die unleugbare Finanzdiktatur


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